Mit Lehre nach der Matura zum Erfolg

Aus Stockenboi, 24 Jahre jung und ganz Kärnten kennt sie: Stefanie Gruber ist „Lehrling des Jahres 2018“ und das, obwohl oder auch gerade deswegen, weil sie sich ihre Entscheidung für eine Karriere mit Lehre ganz besonders gut überlegen musste. Zuerst hat sie nämlich die Matura an der HTL gemacht und wurde dann mit klaren Vorstellungen und offenen Armen am Arbeitsmarkt empfangen. Ihre Erfolgsgeschichte:

Stefanie Gruber ist Malerin und Beschichtungstechnikerin. Und zwar nicht irgendeine, sondern die beste Jungmalerin in Kärnten. Immerhin wurde die 24-Jährige aus Stockenboi Anfang des Jahres von der Talenteakademie als „Lehrling des Jahres 2018“ ausgezeichnet. Gruber überzeugte mit Leidenschaft, Talent und viel Können, setzte sich gegen ihre Standeskollegen beim Lehrlingswettbewerb durch und legte 2018 ihre Lehrabschlussprüfung ab.

Ihr Weg in die Lehre

Das alles folgte einer noch nicht ganz typischen Ausbildung. Denn bevor Gruber sich für eine Lehre entschied, machte sie erstmal ihre Matura an der HTL in Villach. „Ich wollte eigentlich schon nach der Hauptschule eine Lehre als Malerin beginnen. Mit Matura habe ich mir aber höhere Chancen am Arbeitsmarkt ausgemalt“, erzählt die Oberkärntnerin. Der Schwerpunkt „Innenraumgestaltung und Holztechnik“ in Villach fügte sich aber perfekt in Grubers Berufswünsche ein. Pläne lesen, Berechnungen erstellen – in ihrem Lehralltag kam vieles, was bereits in der Schulzeit Thema war, wieder.

Mit einem Zimmerer und einem Maurer zuhause, ist Gruber sozusagen familiär vorbelastet, wenn es um das Handwerk geht. „Ich bin in einer Familie aufgewachsen die handwerklich sehr begabt ist und habe von klein auf sehr viel mitbekommen, also konnte ich natürlich nicht aus der Reihe tanzen“, freut sich Gruber. Aus der Familie kam so immer viel Rückhalt, während andere ihre Entscheidung, nach der Matura noch einen Lehrberuf einzuschlagen oft in Zweifel stellten. „Immer wieder kam die Frage: Wieso? Aber, es war meine Entscheidung und für mich sicherlich das Richtige“, betont Gruber: „Ich habe zwar zuerst einen anderen Weg eingeschlagen, aber er hat mich immerhin auf die richtige Fährte gebracht.“

Lehre als Karriere-Pusher

Am Arbeitsmarkt kam die Entscheidung der talentierten Frau jedenfalls gleich mehr als gut an.

Mein Chef war begeistert. Er hatte schon gute Erfahrungen mit der Lehre nach der Matura gemacht.

Gelernt hat Gruber bei der Maler Ortner GmbH in Kolbnitz. Und am meisten gefällt ihr der Vorher-Nachher-Effekt in ihrem Job. Langweilig wird es dabei nie, denn als Malerin macht sie viel mehr, als „nur eine Wand weiß anmalen“. Planung, Beratung und Farbenlehre sind genauso gefragt, wie körperlich herausfordernde Aufgaben. Gruber: „Es ist spannend, was man aus einem Raum machen kann; gerade bei Altbauten!“

Immerhin 300 Gäste waren dabei, als die Oberkärntnerin ihren Titel als „Lehrling des Jahres 2018“ entgegennehmen durfte. Und Gruber entschied ein Rekord-Voting für sich: Mehr als 75.000 Stimmen wurden heuer abgegeben, um fünf Top-Kandidaten zu küren, die in die Juryauswahl gehen sollten. Ihre 33 KonkurrentInnen kamen aus ganz Kärnten und aus den unterschiedlichsten Branchen: Vom Elektrotechniker bis zur Fleischerin waren sie alle im Rennen um den begehrten Titel. Jetzt wird erst einmal „genossen“ und mit Begleitung zu den WorldSkills nach Kazan geflogen. Lob gab es auch von Landeshauptmannstellvertreterin Gaby Schaunig: “Einmal mehr haben die Jugendlichen Kärnten bewiesen, welches Potenzial in ihnen steckt. Ihnen gehört die Zukunft!“ Auch Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl fieberte mit: „Wir sind sehr stolz auf unsere Lehrlinge!“

Stefanie Gruber mit Landeshauptmannstellvertreterin Gaby Schaunig und Wirtschaftskammer-Präsident Jürgen Mandl ©eventbox

Meister als Ziel

Die 24-Jährige arbeitet indes schon am nächsten Ziel. „Bald steht die Meisterprüfung an! Mein Betrieb unterstützt mich dabei“, freut sich Gruber. „Vielleicht an einer Meisterschule in Baden oder in Kärnten“, erklärt sie. Die private und betriebliche Unterstützung bleibt ein wichtiger Punkt, denn ohne Rückhalt, wäre auch die wiederholte Teilnahme an Lehrlingswettbewerben nicht möglich gewesen. Denn, mit einem freien Tag ist es da nicht getan. Mehrere Stunden wird geübt: „In der Talenteakademie wurde ich mental vorbereitet. Im Betrieb wird jeden Tag trainiert!“ Die Talenteakademie wurde von Wirtschaftskammer und WIFI nach dem Vorbild des Österreichischen Schiverbandes gegründet: Die Besten müssen gefördert werden! Talentierte Lehrlinge werden trainiert und zu Bestleistungen bei Wettbewerben geführt. Rund 100 Jugendliche werden von der Talenteakademie auf Lehrlingswettbewerbe vorbereitet oder auch für die Euro- und WorldSkills geschult.

Und was steht nach dem Meister auf der To-Do-Liste? Gruber: „Ich arbeite gerne mit jungen Menschen. Vielleicht unterrichte ich sogar selber einmal an einer Berufsschule.“ In ihrer Freizeit ist sie jedenfalls sehr aktiv und macht aus Stubenhockern als Schwimmlehrerin Wasserfrösche.

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Titelfoto © www.bernhardwolf.at