Vom Joghurtbecher zum Designer-Möbel

Die Villacher Unternehmer Arno Trinkl und Wolfgang Rauter produzieren in ihrer Firma TR1 GmbH einzigartige Designer-Möbel aus recyceltem Kunststoff, der Umwelt zuliebe. Die ersten Prototypen sind bereits fertig, der E-Shop geht im Herbst online. Wie ihnen der WIFI-Kurs zum Thema E-Commerce dabei geholfen hat, erzählen sie hier.

Am Anfang stand bei Arno Trinkl und Wolfgang Rauter das Warum: „Der Wunsch ein nachhaltig und optisch einzigartiges Möbelstück zu entwerfen, war durch die Auswahl an Materialien begrenzt. Für die Designmöbel musste ein neuartiger und individueller Werkstoff her. Die Verwendung von Holz kam dabei nicht in Frage, da dieses heutzutage nur in geringen Anteilen aus nachhaltiger Forstwirtschaft stammt. Andererseits gelangen immer größere Mengen Plastik in Natur und Umwelt und zerstören so unsere Lebensräume. Daraus entstand die Idee, recycelten Kunststoff als Basis für unsere einzigartigen Möbel zu verwenden.“

Erste Versuche

Die ersten Experimente fanden im heimischen Backofen mit zerkleinerten Getränkeflaschen statt. Nach einer Testphase von knapp einem Jahr sind die ersten Möbel fertig. „Der Prototypenbau war ein spannender Prozess und hat uns viele wichtige Erkenntnisse gebracht. Da es ein komplett neuer Werkstoff ist, legten wir unser Hauptaugenmerk auf die Be- und Verarbeitung der Platten. In vielen Schritten testeten wir verschiedene Sägeblätter, Fräser und Schleifpapiere, um das perfekte Ergebnis zu erhalten.“ Zur Bestätigung der Verwendung im Außenbereich wird gerade ein Langzeit-Bewitterungstest im Labor durchgeführt.

Vom gelben Sack zum Designer-Stück

Für die Designmöbel kommen vorwiegend Elemente aus 100 Prozent recyceltem Plastik zum Einsatz. Aus alten Joghurtbechern, PET-Flaschen und Verpackungen entstehen handgemachte Unikate. So finden sich in einer Tischplatte über 8000 Joghurtbecher oder knapp 3000 PET Flaschen. „Jedes Jahr fallen alleine in Österreich 42 Kilogramm Plastikmüll pro Person an. Unser Rohstoff stammt aus der Umwelt, der Natur, dem gelben Sack, aus Produktionsabfällen und überall, wo er gerade anfällt.“

Mühevolle Handarbeit

In der Praxis funktioniert das Ganze dann so: Das Plastik wird gesammelt, gewaschen, sortiert, zerkleinert und in mühevoller Handarbeit zu einem einzigartigen Kunstwerk geformt. Unter Hitze und Druck verschmelzen die kleinen Einzelteile zu einem homogenen und einzigartigen Platten-Werkstoff. Diese Platten sind die Basis für die außergewöhnlichen Möbel der innovativen Unternehmer: „In der Möbelmanufaktur verbinden wir das klassische Tischlerhandwerk mit modernster Verarbeitungstechnologie. Mit Sorgfalt wird geplant, geschnitten, gefräst, und geschliffen. Dabei liegt der Fokus auf ressourcenschonender Verarbeitung und innovativem Design. Die Gesamt-Produktionszeit liegt bei acht Wochen. Bei vorkonfektionierten Möbeln können wir natürlich schneller liefern.“ Gearbeitet wird in den Büros zuhause, eine Garage dient als Testlabor. Zur Produktion der Möbel ist man in einer sehr gut ausgestatteten Tischlerei eingemietet.

Direktvertrieb und E-Shop

In der Finalisierung befindet sich derzeit der E-Shop. Dieser bietet zusammen mit dem Direktvertrieb in turbulenten Zeiten einen zukunftssicheren, weiteren Verkaufskanal, um Kunden zu erreichen. Der E-Commerce Kurs des WIFI Kärnten bot den beiden dafür eine Fülle an Information rund um dieses Thema.

Wir haben durch die Erfahrungen aus dem Kurs bestimmt einige Fehler vermieden und viele Stunden an unnötiger Arbeit gespart.

Von Grundlagen des Rechts im Internet über Marketing bis hin zu Shopsystemen mit automatisierten Abläufen umreißt die Ausbildung zum E-Commerce Experten alle notwendigen Themenbereiche. „Immens wichtig waren für uns die Beispiele aus der Praxis. Was ist überhaupt möglich und wie sieht der Weg dahin aus? Wir können die Teilnahme jedem empfehlen, der vorhat, seine Produkte und Dienstleistungen online zu vertreiben.“

Know-how will gelernt sein

Wolfgang Rauters handwerkliche Laufbahn begann in der Werkstatt seines Vaters. Dies führte ihn in die HTL Villach, wo er die Fachschule für Tischlerei und anschließend das Kolleg für Innenraumgestaltung absolvierte. Dieses Know-how konnte er in zwölf Jahren als Projektleiter und Designer bei einer großen Tischlerei in Villach verfeinern. Aus dem Studium Umwelt- und Bioressourcen-Management an der BOKU Wien bringt Arno Trinkl die praktischen Fähigkeiten und das Hintergrundwissen mit, neue Wege in umwelttechnischen Belangen zu erschließen.

Die beiden verbindet nicht nur eine langjährige Freundschaft, sondern auch die Überzeugung, mit ihrem Wirken die Welt positiv zu beeinflussen.

 

Fotos: Sarina Dobernig