Zur exzellenten Führungskraft werden

Märkte, Arbeitswelten, Teams. Alles hat sich in den vergangenen Jahren verändert. Auch das, was gute Führung auszeichnet. Trainerin, Kommunikationswissenschaftlerin und Psychologin Silvia Seebacher kennt die neuen Herausforderungen. Sie spricht über Trends, No-Gos und Erfolgsfaktoren.

BWL-Studium geschafft. Jahrelang im Unternehmen hochgearbeitet. Wertvolles Wissen gesammelt. Und trotzdem reicht das heute als Führungskraft nicht aus. Denn Führung hat sich genauso wie die Wirtschaft verändert. Sie ist echter geworden und erfordert eine starke Persönlichkeit. Das kann Silvia Seebacher aus ihrer praktischen Erfahrung bestätigen. Die ausgebildete Psychologin und Kommunikationswissenschaftlerin arbeitet für das WIFI Kärnten als Trainerin und ist unter anderem Lektorin an der Alpen-Adria-Universität Klagenfurt. Zuvor leitet sie einige Jahre die Personalabteilung eines großen Lebensmittelunternehmens in Tirol.

Social Skills am Vormarsch

„Früher punkteten Führungskräfte hauptsächlich mit ihrer Fachkompetenz. Diese spielt natürlich auch noch eine Rolle, aber die Sozialkompetenzen werden immer wichtiger“, sagt die Expertin. Führungskräfte brauchen Empathie, um sich in andere hinein zu fühlen. Sie müssen klar kommunizieren können und andere Menschen inspirieren. „Ich muss zum Vorbild werden und das geht nur, wenn ich laufend an meiner Persönlichkeit arbeite. Führung ist damit ein Life-Long-Prozess“, sagt Seebacher. Selbst wer bereits viele Managementools oder Kommunikationswerkzeuge kenne, muss zwischendurch auf eine Metaebene wechseln und sein Verhalten als Führungskraft reflektieren.

Neue Tools und Trends

Die frische Sicht von außen – durch einen Berater oder einen Fortbildungskurs – löst Betriebsblindheiten auf. Führungskräfte gewinnen neue Perspektiven und Anregungen für ihre Teams. Zum einen geht es dabei um die Entwicklung der eigenen Kompetenzen, zum anderen aber auch neueste Erkenntnisse aus der Wissenschaft und moderne Ansätze. So erklären neurobiologische Studien, was im Gehirn passiert, wenn man sich führen lässt. Emotionsstudien zum Beispiel zeigen, wie man Mikro-Expressionen des Gegenübers lesen und beeinflussen kann. Techniken wie Design Thinking oder Thinktanks lassen sich auch gut mit kleineren Teams umsetzen. Managementströmungen wie Agilität zeigen, wie Organisationen effizienter und moderner aufgestellt werden. „Das WIFI in Kärnten greift all diese aktuellen Themen auf und bietet vom Junior bis hin zum Senior hochqualitative Angebote“, empfiehlt Seebacher. Es lohnt sich also für Führungskräfte, sich Zeit für Weiterbildungen zu nehmen.

No-Gos in der Führung

„Viele Konflikte, innere Kündigungen, Personalwechsel oder schlechte Performances von Unternehmen lassen sich auf mangelnde oder falsche Kommunikation zurückführen. Das klingt zwar banal, ist beim genaueren Hinsehen aber sehr komplex“, weiß Seebacher. Die klassischen No-Gos in der Führung betreffen daher das eigene Verhalten und die innere Haltung. Es sei ein Fehler zu glauben, als Führungskraft wisse man schon alles. Deshalb sollten sich Führungskräfte selbst nicht zu ernst – und Mitarbeiter zu wenig ernst nehmen. Auch die Weitergabe von Druck zeugt von nicht besonders reflektiertem Verhalten. „Als Führungskraft muss ich lernen mit Druck umzugehen und die eigenen Mitarbeiter davor ein bisschen schützen“, findet Seebacher.

Herausforderungen im Businessalltag

Beim Führen von Menschen ist der Umgang mit Verantwortung eine der größten Herausforderungen. Die Geschäftswelt ist heute viel komplexer als noch vor zehn Jahren. Führungskräfte müssen die Zusammenhänge überblicken und Komplexität managen. Die Geschwindigkeit hat sich massiv verändert.

Führungskräfte müssen viel schneller auf wandelnde Gegebenheiten reagieren können und dabei sind sie auch auf ein Team angewiesen, das sich ebenso schnell auf Veränderungen einstellen kann.

Oder anders: Wenn plötzlich der Wind aus einer anderen Richtung weht, müssen Führungskräfte mit ihrem Team rasch die Segel richtig setzen können. „Früher war alles wesentlich langsamer und kalkulierbarer“, weiß Seebacher. Wer jahrzehntelang den gleichen Führungsstil pflegte oder anderes gewohnt war, für den kann das durchaus Neuland bedeuten.

Was top Führungskräfte von heute auszeichnet

Klarheit und Kompetenz. Das sind die beiden Dinge, die exzellente Führungskräfte in der Jetztzeit brauchen. Wie man beides erreichen kann, verrät Seebacher: „Klarheit kann ich mir als Führungskraft verschaffen, indem ich eine gewisse Selbstreflexion übe. Was will ich? Wohin will ich? Wer bin ich überhaupt? Und was sind meine eigenen Werte und Haltungen? Darüber muss ich mir als Führungskraft sicher sein. Durch klare Kommunikation kann ich Dinge auf den Punkt bringen und dafür sorgen, dass ich gut verstanden werde.“ Zudem sei es als Führungskraft essenziell soziale Kompetenzen zu entwickeln. In vielen Betrieben wird im hektischen Alltag oft darauf vergessen oder es sogar als Selbstverständlichkeit vorausgesetzt.

„Nur weil jemand auf dem Papier eine Führungskraft ist, heißt das noch lange nicht, dass derjenige führen kann“, weiß Seebacher. Natürlich bringe jeder gewisse Kompetenzen und Fähigkeiten mit. Aber die klassischen Managementkompetenzen gehören laufend weiter entwickelt. Dazu zählen zum Beispiel ein souveränes Auftreten, analytisches Denkvermögen, Ziel- und Ergebnisorientierung sowie Selbstmanagementkompetenz. „Ich muss mir Prioritäten setzen können, klare Ziele vornehmen und komplexe Aufgaben in einzelne Schritte runter brechen können.“

Wer erfolgreich sein will, sollte aber auch immer wieder einen Blick auf die eigene Resilienz werfen. Das sind Kräfte und persönliche Ressourcen, die einem in schwierigen Situationen helfen. „Dann kann ich zum Beispiel trotz enormen Druck innerlich widerstandsfähig bleiben und meinen psychoemotionalen Haushalt steuern sowie regulieren“, erklärt Seebacher. Wer selbst Einfluss auf seine eigenen Gedanken und Gefühle nimmt, kann diese bewusst nutzen, um Ziele und Visionen umzusetzen – oder Krisen zu meistern.

 

Foto von Frau Seebacher zur Verfügung gestellt.