Sweet Art Innovation – Zuckerbäcker

Im Handwerk ist es selten, dass der Name eines Firmeninhabers eine Marke darstellt und noch seltener ist es, dass er einen ganzen Berufsstand kennzeichnet. Bei Georg Maushagen ist das der Fall. Seine Erzeugnisse sind weit mehr als nur preziöse Leckereien aus Schokolade oder Marzipan.

Der Zuckerbäcker

Die handwerkliche Berufsbezeichnung „Zuckerbäcker“ gibt es nachweisbar seit dem 14/15 Jahrhundert. In Deutschland hat sich die Berufsbezeichnung zu „Konditor“ umgewandelt. Österreich hat auch den Namen „Zuckerbäcker“ beibehalten. Möglicherweise ist der Name darauf zurück zu führen, dass Backen nicht nur das Erhitzungsverfahren der Brotbäcker bedeutet. Es könnte bedeuten, dass man Zucker „zusammenpacken“ kann. Ein Beispiel dafür sind gegossene Zuckerplätzchen.

Ein Zuckerbäcker, auch Condirer oder Confisier genannt, ist ein Künstler, der aus Zucker allerhand Angenehmes und zierliches Gebackenes zurichten und auch in Zucker einzumachen weiß.

nach einer historischen Definition von Dr. Heinrich Fincke

Karrierelaufbahn

Georg Maushagen ist gebürtiger Schlesier. Im Jahre 1959 ist er nach Bochum, Deutschland gesiedelt. Seine berufliche Laufbahn begann er als Page in Engelsburg, Recklinghausen. Anschließend machte er eine Ausbildung zum Koch. Sein beruflicher Werdegang verschlug ihn von Deutschland über Spanien bis in die Vereinigten Staaten. Sein Herz hing aber immer in der Patisserie und Konditorei. 1975 hat er dann seine Meisterprüfung zum Konditor in Wolfenbüttel absolviert.

Café Maushagen

Seine Frau Brigitte und er machten sich 1980 mit dem Café Maushagen in Düsseldorf selbstständig. Neue Kreativität fand er im Kärntner Gailtal. Es war für ihn die Balance zwischen Tradition und Zukunft, Klassik und Moderne, Beständigkeit und Bewegung. Mitte 2017 beschloss er daher, sein Café in Düsseldorf aufzugeben und zog mit seiner Frau nach Hermagor.

Sweet Art Innovation

Nur wenige Monate später beschloss er sich erneut selbständig zu machen mit Kärnten Sweet Art Innovation. Seit August 2019 ergänzt durch die „Zuckerakademie Alpe-Adria“, der 1.Zucker- und Dekorschule Kärntens. Im Vordergrund steht seine einzigartige Fähigkeit zur Kombination von Design, Kreativität und Handwerk. Diese Fähigkeit wird durch stetige Inspiration mit neu entdeckter Lebensqualität immer weiterentwickelt.

Seine einzigartige Marke

Transformation von Duft in Geschmack ist seine einzigartige Marke. Zu seinen Kunden zählen unter anderem Auftraggeber aus dem „Reich der Düfte“, genauso wie Weltmarken aus dem Bereich der Kosmetik, Parfümerie und Mode. Seine künstlerische Kreativität wird sehr geschätzt, wenn es um personalisierte oder vom Ursprungsprodukt vorgegebene Formgestaltung geht. In Österreich und Deutschland betreut Maushagen seine Kunden mit der Herstellung von personalisierten Produkten aus Marzipan, Schokolade, Zucker, als Torte, Dessert oder Gebäck. Durch die Fertigung von Grundmodellen und wiederverwendbaren Formen bietet er die Möglichkeit einer individuellen Präsentfertigung aus allen handwerklichen und industriellen Bereichen.

Georg Maushagen bietet fachliche Beratung, wie auch fachpraktische Unterweisungen für Konditoren und ihren Betrieben in Österreich. Die Schwerpunkte liegen hier auf Produktentwicklung, Verkauf und Präsentation. An der Zentralfachschule der Süßwarenindustrie in Solingen/Deutschland ist er Trainer und Seminarleiter von Vorbereitungslehrgängen. In Museen, Schulen, usw. hält er Vorträge über die Geschichte der Zuckerbäckerei in Kombination mit einer Vorführung der Zuckergestaltung, zeitgenössischen Gebäcken und einer Bonbonwalze.

Georg Maushagen und das WIFI Kärnten

Das WIFI Kärnten hat das Vergnügen, Maushagen als Seminarleiter von Vorbereitungslehrgängen von Auszubildenden, Gesellen, Meisterschülern und Fachlehrern aus dem Bereich Konditorei im Trainerteam zu haben. Ebenfalls entwickelt er Rezepte unter Berücksichtigung regionaler Produkte. In seiner Produktentwicklung versucht er regionale und traditionelle Bezüge zu Kärnten und Österreich herzustellen. Beispiele dafür sind seine Kärntner Konfekt-Nudeln und sein Kürbiskern-Ingwer-Kuchen im Glas.

Im Interview konnten wir dem Zuckerbäcker ein paar Fragen stellen und mehr über ihn und seinen Beruf erfahren:

WIFI: Warum haben Sie sich für diesen Beruf entschieden?

Georg Maushagen: Ich komme aus einer Familie in der schon immer gerne gekocht, gebacken – insbesondere meine Großeltern – und gegessen wurde. Daher war es naheliegend den Beruf des Kochs zu ergreifen. Da dies mit 14 Jahren seinerzeit noch nicht möglich war, habe ich vorab ein Jahr als Page in einem Hotel in Recklinghausen gearbeitet. Nach der Kochlehre hat mich die Patisserie und Konditorei immer mehr in ihren Bann gezogen, so dass ich nach einigen Gesellenjahren die Meisterprüfung zum Konditor in Wolfenbüttel abgelegt habe.

WIFI: Was fasziniert Sie besonders an ihrem Beruf?

Georg Maushagen: Die unendliche Kreativität in Verbindung mit Kunst, Grafik und Design. Dies kommt meinen künstlerischen Neigungen sehr entgegen. Ergänzt wird das durch die Entwicklung eigener Gestaltungen, Formen und Geschmacksrichtungen.

WIFI: Haben Sie einen Tipp für jemanden, der das Handwerk erlernen möchte?

Georg Maushagen: Grundsätzliche Basis ist der richtige Ausbildungsbetrieb. Hier sollte man sich umschauen, ob ein Betrieb z.B. innovativ und offen für Neues ist. Da gilt nicht immer eine schön aussehende Theke. Heute sind naturbelassene Produkte mit regionalen Rohstoffen ohne Convience, Farb- und Geschmacksstoffe für die Kunden wichtiger denn je. Daher ist es empfehlenswert mehr als nur ein Betriebs-Praktikum zu machen, um anschließend den für sich passenden Betrieb zu finden. Es sollten alle Lernziele (vorab im Internet, WKO und WIFI informieren) angeboten, gefördet und durchaus auch gefordert werden. Den Konditorgesellen kann ich nur raten: Kommt aus euch heraus, traut euch was, geht hinaus in andere Ländern, schaut über den Tellerrand, seid offen für andere Geschmäcker und Traditionen. Und ein Konditormeister kann sich nicht vielseitig genug orientieren. Und vielleicht auch sein Hobby oder seine direkte Umgebung (Gärtnern = Blüten zur Tortengestaltung, Wandern = Tannenspitzen, Waldkräuter für neue regionale Geschmacksrichtungen) mit einfließen lassen.
Immer neugierig bleiben gehört sicherlich zu meinem Leben.

WIFI: Was gefällt Ihnen am Unterrichten am WIFI Kärnten?

Georg Maushagen: Das WIFI entspricht meiner Berufs- und Lebensauffassung, zeigt es doch jedermann Chancen zur Weiter- und Ausbildung in allen Bereichen. Mir gibt das WIFI die Möglichkeit mein über lange Jahre erworbenes und stets aktualisiertes Wissen weiterzugeben. Sei es an Auszubildende, Meisterschüler, Fachlehrer oder alle anderen interessierten Konditorei-Produkt-Liebhaber. In die Ausarbeitung, Zusammenstellung und Fertigung der Seminarmappen kann ich mein Wissen zusätzlich einfließen lassen.