Die IT – das Nervensystem eines Unternehmens

Ein kreativer Mensch hat eine Idee und gründet ein Unternehmen. Und damit einen Organismus in der Wirtschaftswelt, den er als Person selbst verkörpert. Der Markt ist begeistert, der junge Unternehmer kommt alleine nicht mehr zurecht – er holt sich „Helping Hands“, die Gliedmaßen des Wirtschaftsorganismus, die sich um die operativen Aufgaben der Produktion bzw. der Dienstleistung sowie der Logistik kümmern.

In der weiteren Expansion werden die Analogien zwischen Unternehmen und dem menschlichen Organismus – ohne wissenschaftliche Fundierung – immer offensichtlicher.

Das Unternehmen als Organismus

Die Steuerung der Organisation obliegt dem Gehirn und dem Herzen. Funktioniert eines der beiden Organe nicht mehr, ist das Unternehmen zum Scheitern verurteilt und hört auf zu existieren. Ganz klar bildet die Führung das Gehirn. Das Herz steht für den Unternehmergeist und die Werte, hat aber auch die Aufgabe, die Ressourcen, also das Blut, allen Stellen des Körpers verfügbar zu machen, mit allen damit verbundenen Problemen (erhöhter Bedarf bei besonderen Herausforderungen, Verlust bei Verletzungen, Engstellen durch „Verkalkungen“, …).

Die Lunge – das Rechnungswesen – versorgt den Organismus mit dem lebensnotwendigen Sauerstoff (Geld) und reichert damit die Ressourcen an. Zulieferer von außen sind das restliche Atmungssystem (Nase, Mund). Verantwortlich dafür, dass sich der Organismus in einer sauerstoffreichen Umgebung befindet, ist klarerweise die Führung.

Natürlich gibt es auch einen Einkauf, der die restlichen notwendigen Elemente zuliefert, der gesamte Nahrungsaufnahme- und Verdauungsapparat. Die nicht benötigten Anteile der Lieferungen (z.B. Verpackung) werden so wie die anfallenden Abfälle durch die Ausscheidungsorgane entsorgt. Dazu gehören Themen wie Mülltrennung und CSR-Strategien.

Die Sinnesorgane beobachten das wirtschaftliche Umfeld und liefern dem Gehirn die notwendigen Informationen zur Steuerung des Organismus. Die Fortpflanzungsorgane spielen ihre Rolle bei der Gründung von Tochterunternehmen, Zweigstellen usw. – es ist auch nicht schwer, in diesem Zusammenhang Kooperationen und Firmenzusammenlegungen einzuordnen.

Wo ist in diesem Kontext die IT anzusiedeln?

Wie der Name schon sagt, geht es dabei um Technologie, die die Verarbeitung von Informationen und, in der dargestellten Form, Daten zum Inhalt hat.

Informationen werden an Endgeräten (Messgeräte, Aufnahmegeräte, Internet, Social Media, Mobile Devices, …) erfasst. Im lebenden Organismus sind das Signale, die vom sensorischen System, den Sinnesorganen, aufgenommen und über Nervenbahnen an das Gehirn weitergeleitet werden. Dort werden die Informationen gefiltert, gespeichert und lösen gegebenenfalls willkürliche Reaktionen aus. Diese bewusst beeinflussbaren Vorgänge werden vom willkürlichen Nervensystem gesteuert.

 

 

Innerhalb eines Unternehmens unterscheiden wir grob Server- und Clientsysteme, die über Netzwerke miteinander verbunden sind. Diese können als Nervenfasern interpretiert werden, die über logische Verbindungen, die Synapsen, verbunden sind.

Aufgabe von Servern sind unter anderem das Speichern unternehmensrelevanter Daten (Fileserver, Datenbanken, Archivierungs-Systeme), die Steuerung interner und externer Kommunikation (Mail-Server, Web-Server) oder die Abwicklung von zentralen Verwaltungs- und Steuerungsaufgaben (Verwaltungsserver). Aufgrund der Wichtigkeit dieser zentralen Systeme obliegen sie besonderen Sicherheitsanforderungen, unter anderem Datensicherheit, Ausfallsicherheit oder Sicherheit gegen externe Einflüsse. Aus diesem Grund werden Serversysteme auch in eigenen Räumen mit den notwendigen Schutzmechanismen untergebracht. Im Kontext des Nervensystems sprechen wir vom Zentralnervensystem (ZNS), das das Gehirn und das Rückenmark umfasst. Die restliche IT-Infrastruktur stellt das periphere Nervensystem (PNS) dar.

Das vegetative Nervensystem regelt die Abläufe im Körper. Es ist ständig aktiv und reguliert zum Beispiel die Atmung, den Herzschlag und den Stoffwechsel. Es kommuniziert stetig mit dem Gehirn und reagiert auf sich ändernde Bedingungen, die die Körperfunktionen beeinflussen. Zum Beispiel wird die Herzfrequenz erhöht, wenn die Sauerstoffzufuhr aufgrund höherer Belastungen gesteigert werden muss.

In einem Unternehmen denken wir dabei sofort an interne Steuerungsfunktionen, die nicht jedes Mal explizit von der Führung angestoßen werden müssen. Diese Funktionen können etwa durch Änderungen im Datenbestand oder periodisch zu bestimmten Zeitpunkten ausgelöst werden. Beispiele sind das Erreichen von Grenzen bei Lagerbeständen, Überschreiten der Mindestteilnehmerzahl bei Veranstaltungen, automatische Datensicherung in den Nachtstunden oder das Versenden von Kundeninformationen zu festgelegten Terminen.

Die digitalen Informationen werden über Netzwerke, die Nervenbahnen, in beide Richtungen zwischen den Serversystemen und den peripheren Clients transportiert.

Fazit

Bei Betrachtung dieser Vergleiche wird eindeutig klar, dass die IT nicht nur für das Funktionieren der verwendeten Infrastruktur verantwortlich ist, sondern einen wesentlichen Beitrag zur reibungslosen Durchführung aller Prozesse in einem Unternehmen liefert. Bei Beschädigungen oder Funktionsstörungen im Bereich des Nervensystems greift ein gesunder Körper zuerst auf sein Selbstheilungsvermögen zurück, das wiederum vom Nervensystem gesteuert wird. Manchmal wird natürlich auch ärztliche Hilfe notwendig sein. Analog dazu ist die technische Instandhaltung nur ein kleiner Anteil im Vergleich zur organisatorischen und strategischen Bedeutung eines modernen IT-Managements in einem erfolgreichen Unternehmen.

 

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Über den Autor:

Gerald Stoiser ist als IT-Manager des WIFI Kärnten ein großer Verfechter eines modernen und serviceorientierten IT-Managements auf Basis von ITIL. Nebenbei lebt er auch den Excellence-Gedanken als EFQM-Assessor für die Quality Austria.

 

Bild „Nervenzelle“: pixabay
Bild von Gerald Stoiser: WIFI/Waschnig

Kommentare

  • Bernhard Szecsödi

    Written on 15. April 2019

    Ja, wenn ich 20 Jahre jünger wäre und damals nicht die Fachakademie für Marketing (1995 -1998) am WIFI absolviert hätte.. Toller Beitrag, Das Nervensystem des Unternehmens, passender Vergleich LG Bernhard

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